Vinaora Nivo Slider 3.xVinaora Nivo Slider 3.x

Anti-Atom-Bündnis in Berlin und Potsdam

Wer gedacht hat, der Abtransport der Brennelemente des BER II nach deren Abklingphase würde mal so einfach nach Ahaus möglich sein, sollte sich eines Besseren belehren lassen.

Münsterländer Zeitung vom 14.07.2018

(Münsterländer Zeitung vom 14.07.2018)

Die Stadt Ahaus wird sich sicher mit allen rechtlichen Mitteln gegen die Einlagerung wehren. Und ich denke, das ist richtig so, denn das augenblickliche Zwischenlager ist nur bis 2036 genehmigt, eine darüber hinaus gehende Zwischenlagerung bedarf eines völlig neuen Zwischenlager(konzept)s, das weit in die Zukunft reicht, denn der Zeitpunkt der Fertigstellung eines Atommüll-Endlagers ist alles andere als vorherzusehen. Unter den gegenwärtigen Gegebenheiten wäre es unverantwortlich, die BER II-Castoren nach Ahaus zu transportieren, da diese dort ab 2036 entweder in einer nicht mehr genehmigungsfähigen Anlage gelagert werden müssten oder vor der endgültigen Einlagerung ein weiterer Transport quer durch die Republik in ein länger nutzbares Zwischenlager nötig wäre.

Das Heft Anti atom aktuell "Zahn der Zeit" (aaa 271) vom 13.02.2018 enthält höchst informative Beiträge von Jochen Stay, eine gutachterliche Stellungnahme von MitarbeiterInnen des Ökoinstituts Darmstadt im Auftrag des Umweltbundesamtes, von Hubertus Zdebel, Wolfgang Neumann, Wolfgang Ehmke und anderen über Atommüll, Zwischenlagerung ohne Ende, denn Genehmigungen laufen aus und müssen verlängert werden, defekte Brennelemente, Alterungseffekte bei Brennelementen usw.

Dazu Martin Nesemann S.3: "Ausgerechnet Bruno Thomauske, der Ex-Chefgenehmiger im Bundesamt für Strahlenschutz, redet plötzlich davon, dass Castor-Inventar vor sich hinbröselt.". Die Autoren versuchen zum Schwerpunktthema einen Überblick über eine notwendige Diskussion zu vermitteln.

Bis zum Abschalten des letzten Atomkraftwerks im Jahr 2023 werden sich rund 35.000 verbrauchter Brennelemente in der Bundesrepublik angesammelt haben. Auch der BER II produziert weiter hoch radioaktive Abfälle, auch in Berlin Wannsee gibt es eine Landessammelstelle, die tatsächlich ein Lager ist, dessen Ende nicht in Sicht ist.

Am 14.3.18 fand das gut besuchte zweite Treffen der Dialoggruppe im verdi-Bildungszentrum in der Koblanckstraße statt.

Hauptthema war: Was darf aus dieser Gruppe an die Öffentlichkeit? Da es ein Dialog zwischen HZB und interessierten BürgerInnen ist, dürfen diese einerseits nicht generell zum Schweigen über den Fortgang der Gespräche verpflichtet werden. Andererseits gilt nicht nur wie auch sonst das Recht am eigenen Wort, man darf also, was eine bestimmte Person gesagt hat, nicht an die Öffentlichkeit tragen - es ist auch heikel, noch Ungares zu verbreiten. Keinesfalls sollte aber so getan werden, als seien alle Beteiligten einer Meinung.
Konsens war, dass das, was das HZB ausdrücklich als "geheim" benennt, im internen Kreis bleiben muss. Pressemitteilungen sollen zwischen beiden Parteien abgestimmt werden. Wer etwas im Netz veröffentlicht, sollte die Mitglieder der Dialoggruppe darüber informieren, also den Text und den Ort der Veröffentlichung bekannt machen.

Insofern ist noch nicht in die inhaltliche Diskussion eingestiegen worden. Das soll sich aber ändern.

Das Folgende bezieht sich auf den Reaktor Phillipsburg 2 und soll nur zum Vergleich mit dem BER II anregen.

Das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg veröffentlicht in vorbildlicher Weise Dokumente zu Stilllegung und Abbau der Kernkraftwerke Neckarwestheim und Phillipsburg 2.

https://um.baden-wuerttemberg.de/de/umwelt-natur/kernenergie-und-radioaktivitaet/kerntechnische-anlagen/kkw-in-baden-wuerttemberg/neckarwestheim/stilllegung-und-abbau

Bei dem dort dargestellten Ablauf gibt es einen interessanten Unterschied zu dem Vorgehen des Helmholtz-Zentrums Berlin: Erst wurde die Öffentlichkeit informiert und beteiligt, dann erst der Antrag auf Erteilung einer Stilllegungs- und Abbaugenehmigung gestellt. Selbst der Antrag auf Stilllegung wurde veröffentlicht.

Am 16.02.2018 hat das Bundesumweltministerium (BMUB) gemeinsam mit den Bundesländern, dem Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) und dem Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE) ein Portal zur Sicherheit in der Kerntechnik freigeschaltet (www.nukleare-sicherheit.de).

Ein Hauptschwerpunkt scheint die Information rund um die Stilllegung kerntechnischer Anlagen zu sein. Z.B. wurden in Deutschland über 30 Forschungsreaktoren unterschiedlicher Größe endgültig abgeschaltet, zum Teil wurde auch schon deren Stilllegung beendet. Zu den Forschungsreaktoren, deren Stilllegung beendet ist, wird auch der BER I gerechnet. Das scheint wohl ziemlich blauäugig zu sein, denn ein Abbau, wie er in diesem Dokument allgemein dargestellt ist, hat nicht stattgefunden. Ein Thema, dem sich die neu gegründete Dialoggruppe beim HZB zuwenden muss.